World Economic Forum (WEF) in Davos: „Improving the state of the world“ oder reine „Show-Veranstaltung“ ?

Vor ein paar Tagen ist wieder das diesjährige World Economic Forum (WEF) im Schweizerischen Davos zu Ende gegangen. Zeit seines Bestehens wird das Treffen nicht nur von Globalisierungskritikern kritisch begleitet. Auch die Frage nach der wirklichen politischen Wirkung des Treffens, die absurden Inklusionsbedingungen (extrem teure Mitgliedschaftspreise) und die extreme gesellschaftliche Elitenlogik, die konstitutiv für das Treffen ist, sind Gegenstand einer umfassenden Kritik am WEF.

Für das diesjährige Treffen ist erstmalig der ehemalige norwegische Außenminister und neue WEF-Präsident Børge Brende verantwortlich. Ein Interview mit ihm, das die NZZ geführt hat, finden Sie unter dem folgenden Link: https://www.nzz.ch/wirtschaft/unsere-geschichte-zeigt-dass-wir-einen-unterschied-machen-koennen-ld.1349617

Brende stellt in dem Interview vor allem die Bedeutung des Privatsektors und der öffentlich-privaten Zusammenkunft heraus und plädiert für globale Kooperation zwischen diesen Ebenen. Und er geht auch auf die Rolle ein, die das WEF bei der Gestaltung von Industrie 4.0 und der ethischen Gefahren und Risiken, die in diesem Feld liegen, spielen soll. Insgesamt, so zeige die Geschichte, erfülle das WEF Funktionen, die die traditionellen Governance Strukturen nicht bearbeiten könnten und sei dabei beispielslos wirkungsvoll – ganz in der Logik des WEF-Slogan „Improving the state of the world“ wolle es so letztlich Weltprobleme lösen.

Ganz anders sieht das der ehemalige Staatsekretär  und  Chef-Volkswirt der UNO-Organisation UNCTAD, Heiner Flassbeck. Auch er war während seiner Zeit als Staatsekretär schon Mitglied von Davos. Er hält es für „maßlos überschätzt“, sieht keinerlei internationale politische Wirkung und spricht von einer gesellschaftlichen „Show- Veranstaltung“. Er beklagt außerdem die völlige Abwesenheit einer substanziellen inhaltlichen Auseinandersetung mit dem Thema Freihandel. Stattdessen dominieren, so Flassbeck, einfache „gut-böse“-Narrative – gerade im Hinblick auf die Berichterstattung zu Trump und dessen Rolle beim diesjährigen WEF. In seinem Interview mit dem Deutschlandfunk geht er in diesem Kontext auch auf die Probleme des deutschen Leistungsbilanzüberschusses ein. Das Interview gibt es unter dem folgendem Link – auch als Audio: http://www.deutschlandfunk.de/wirtschaftsforum-in-davos-es-ist-eine-show-veranstaltung.694.de.html?dram:article_id=409097

Was meinen Sie zu den zwei Beiträgen? Wie stehen Sie zu dem Treffen in Davos und dem WEF im Allgemeinen? Und welchen Beitrag kann eine solche Organisation wirklich leisten, wenn es um eine menschgerechte Transformation unseres Globus geht? Kann sie das überhaupt, wenn sie zentrale Denkprämissen unseres gegenwärtigen neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems relativ unkritisch betrachtet und weiter einfordert? Und wie viel Erwartungen sollten wir ganz allgemein gegenüber etablierten politischen Systemen und Institutionen haben?

Wir glauben nämlich, dass wir alle unsere Erwartungen gegenüber global operierenden politischen Organisationen und Funktionssystemen mal etwas „runterschrauben“ und dem Zustand unserer komplexen, vernetzten Welt anpassen  sollten. Große gesellschaftliche Paradigmenwechsel – und die menschgerechte Gestaltung des 21. Jh. und der digitalen Weltgesellschaft muss ein solcher sein – wurden historisch schließlich immer von einer starken Zivilgesellschaft geführt, die ausgestattet mit einer erhöhten Bewusstseinsstufe und Tatendrang ihre eigene Zukunft in die Hand genommen hat, und nicht von einem naiven Systemvertrauen.

Bringen Sie sich also ein – für einen menschgerechten Weg der Digitalisierung.